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29. Oktober 2010; Fraunhofer IGB

Beim diesjährigen Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde auch ein Projekt ausgezeichnet, an dem Wissenschaftler des Fraunhofer IGB und IGVT beteiligt sind. Mit Industriepartnern aus Reutlingen und Gerlingen wollen sie ein komplettes Labor auf nur wenigen Quadratzentimetern entwickeln. Dieses Miniaturlabor soll die schnelle Diagnose gefährlicher Krankheitserreger ermöglichen.

Infektionen mit Schimmel- und Hefepilzen können insbesondere für Patienten, deren Immunabwehr durch Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, lebensbedrohlich sein und müssen schnellstmöglich behandelt werden. Die übliche Standarddiagnostik dieser Erreger ist allerdings langwierig und fehlerbehaftet. Gefragt ist ein schnelles und zuverlässiges Nachweisverfahren, das alle relevanten Pilz-Erreger und deren eventuell vorhandenen Medikamenten-Resistenzen gleichzeitig erfasst.

Partner aus Wissenschaft und Industrie aus der Region und aus Lübeck wollen den kompletten Nachweis in einem Mikrosystem zu vereinen. Dieser Aufgabe stellen sich, koordiniert von der Lübecker Euroimmun, gemeinsam Mediziner um Prof. Dr. Cornelius Knabbe vom Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus, Wissenschaftler um PD Dr. Steffen Rupp vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB und Dr. Karin Lemuth vom Institut für Grenzflächenverfahrenstechnik der Universität Stuttgart, sowie Entwickler um Dr. Karl-Heinz Boven von der Reutlinger Multi Channel Systems MCS GmbH und Dr. Peter Rothacher von der Robert Bosch GmbH, Gerlingen.

Alle Analyseschritte von der Vorbereitung der Probe bis zum Nachweis des Erregers mit Hilfe hochempfindlicher Sensoren können so innerhalb kürzester Zeit durchgeführt werden, ohne dass es dafür eines spezialisierten Labors bedarf. Das gerade einmal 2,5 mal 7,5 cm große Minilabor (»lab on a chip«) soll es dem Arzt ermöglichen, sehr rasch und exakt den Pilz-Erreger zu identifizieren. Gleichzeitig erhält er Auskunft über mögliche Resistenzen des Pilzes gegenüber bestimmten Medikamenten. Damit wird die Diagnose gefährlicher Pilzinfektionen schneller und sicherer. Der Patient profitiert von einer frühzeitigen sowie gezielten Therapie und die Behandlungskosten können deutlich gesenkt werden.

Der Wettbewerb
Um ein Produkt oder eine Technik schnell in die klinische Anwendung zu bringen, ist die gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung hilfreich. Deshalb lobt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal den „Innovationswettbewerb Medizintechnik“ aus. Besonders innovative, originelle und wegweisende Forschungs- und Entwicklungsideen der Medizintechnik werden ausgewählt und vom BMBF gefördert. Die Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für praktische medizinische Anwendungen eignen und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern. Ziel dieses renommierten Wettbewerbs ist es, den Weg von der ersten Idee bis zur Markteinführung innovativer Medizintechnik zu beschleunigen. Hierzu fördert das BMBF die diesjährigen 15 Gewinnerprojekte mit mehr als 9,1 Millionen Euro.

Bild: V.l.: Dr. Karin Lemuth (IGVT), Dr. Jan Weile (Robert-Bosch Krankenhaus, Stuttgart), Dr. Ulf Steller (Euroimmun, Lübeck), Dr. Markus Cavalar (Euroimmun, Lübeck), RD Peter Hassenbach (BMBF).

Kontakt: PD Dr. Susanne M. Bailer
Links:  Biologische Grenzflächenverfahrenstechnik beim IGVP